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Löcher? In der Wirbelsäule? Wie im Käse? Ist das denn möglich?

Ein Fallbeispiel als Fachbeitrag

über Loui
ein Schäferhund-Mix von 1 Jahr und 4 Monaten

Diagnose: Discospondylitis

Schon weit vor dem ersten Geburtstag fing es an …. Schmerzen, rezidivierende Lahmheit und ein Leidensweg begann.
Ein fröhlich munterer Schäferhundmix-Rüde namens Loui zeigte schon recht frühzeitig ohne besondere Vorkommnisse plötzlich Lahmheitsanzeichen, aber auch weitere Symptome, die auf Schmerzen hindeuteten. Wimmern, Jaulen und Schmerzlaute waren immer häufiger zu hören. Es kamen Schmerzen in der Wirbelsäule hinzu, die unter anderem durch steifes Laufen, Bewegungsunlust, Schmatzen bei Berührung der Wirbelsäule und erhöhtes Schlafbedürfnis einhergingen.

Nachfolgende Blutuntersuchungen ergaben zwischenzeitlich leicht erhöhte Entzündungswerte, die sich wieder normalisierten (v.a. C-reaktives Protein), komplett negatives Zecken- und Reiseprofil (ja, er stammt aus dem Ausland), sowie absolut unauffälliges Differenzialblutbild und Blutchemie.
Dies zog sich eine Weile hin und dann wurde Loui förmlich „auf den Kopf gestellt“. Eine große Untersuchung in Narkose begann:

Physiologische Blutbilder und blutchemische Parameter, sowie normotrophes hämatogenes crP, negative Rheumafaktoren, Coombs- und ANA-Tests sowie Blut-IgA-Werte führten zu einer Liquorpunktion. Diese ergab ebenfalls Normwerte bezüglich Immunglobulin A – und dem Proteingehalt. Ebenso negative Resultate ergaben die Untersuchungen auf Infektionserreger wie FSME, Staupe, Anaplasma phago., Neospora caninum und Toxoplasma gondii, sowie eine negative bakterielle Untersuchung. Einzig auffällig und pathognomonisch war der crP-Wert im Liquor. Dieser war 6fach erhöht. Zusammengefasst ergaben die zahlreichen Untersuchungen von Blut und Liquor alleinig einen 6fachen Anstieg des c-reaktiven Proteins im Liquor.

Bildgebung folgte parallel. Einige Röntgenbilder und CT-Aufnahmen später stand die Diagnose: Discospondylitis.

Definitionsgemäß ist eine Discospondylitis eine infektiös entzündliche Veränderung des Zwischenwirbelraumes unter Beteiligung der Gelenkflächen benachbarter Wirbel. Ursachen einer solchen Entzündung sind vor allem hämatogene bakterielle Infektionen, hin und wieder Pilzinfektionen, wandernde infizierte Fremdkörper wie zum Beispiel Grannen oder auch iatrogene Infektionen als Folge von Wirbelsäulenoperationen. Einen Nachweis von Bakterien zu erbringen ist oft schwierig und gelingt eher selten, wie auch in unserem Fall zu sehen ist. Die häufigsten Bakterien sind Staphylococcus intermedius oder aureus, Streptokokken, E.coli, Nokardien oder auch Brucella canis. Mögliche Pilze sind v.a. Aspergillose-Erreger. Laut Literatur überwiegen junge bis mittelaltrige Rüden großer Hunderassen, was auf unseren Patienten zutrifft. Weiterhin neigen Hunde mit speziellen Vorinfektionen z.B. an den Herzklappen, den Zähnen oder der Haut ebenfalls zu einer Discospondylitis.

Symptome variieren abhängig vom Verlauf. Subklinisch mit geringer Unlust am Bewegen bis perakut mit hochgradigster Schmerzhaftigkeit ist alles dabei. Fieber, Inappetenz, Kachexie und auch neurologische Ausfallserscheinungen sind möglich. Loui wurde mit wechselhafter Lahmheit, deutlichen Rückenschmerzen und Gewichtsverlust vorstellig.

Differentialdiagnosen zu unserem Befund ist die Spondylosis deformans, die in der Regel aber nicht mit einer Lyse der Wirbelendplatten einhergeht oder auch verschiedene Neoplasien, beispielsweise das multiple Myelom oder das Lymphom, sowie Metastasen aggressiver Tumore wie Prostatakarzinome. All dies konnte bei unserem Patienten ausgeschlossen werden.

Was tun, um unserem Loui zu helfen? Mehrwöchige Gabe hochdosierter Antibiotika sind erforderlich. Mögliche Antibiotika sind Cephalosporine, Clindamycin, Doxycyclin oder auch Enrofloxacin. Eine Mindestgabe von 6-8 Wochen wird empfohlen. Die Gabe von Schmerzmitteln variiert von den klinischen Symptomen von nichtsteroidalen Antiphlogistika wie Carprofen bis hin zu starken Morphinderivaten. Problematisch in der Durchführung für die Besitzer ist eine Ruhighaltung bzw. Ruhigstellung der Hunde, da diese oft noch jung und ungestüm sind. Regelmäßige Verlaufskontrollen über Röntgen- oder CT-Untersuchungen sind ratsam, um den individuellen Verlauf besser beurteilen zu können und um das Ansprechen der Therapie zu kontrollieren. Bei Nichtanschlagen der Therapie sollte ein Medikamentenwechsel oder chirurgische Maßnahmen erwogen werden. In unserem Fall hatten wir Glück und unser Patient schlug sofort auf die begonnene Therapie mit Carprofen und Cephalexin an.

Die Gesamtprognose ist insgesamt als eher vorsichtig zu werten, abhängig vom Verlauf der Erkrankung.
Loui geht es aktuell sehr gut und er holt alle verlorengeglaubten Erfahrungen im Alltag nach. Der Ball ist sein bester Freund und neben seinen Hundekumpels nun nicht mehr wegzudenken.
Ein Happy End für den Moment, der hoffentlich anhält.

Autorin:
Nicole Rofael
Tierärztin
VETspert®
Dezember 2021

Quellen:
VETspert®
Tierarztpraxis am Rankbach
Praktikum der Hundeklinik (Niemand, Suter, Kohn), 10.Ausgabe
Foto Hund Adobe Stock

Nicole Rofael

Nicole Rofael

Tierärztin

Autorin des Fachbeitrages
und Ansprechpartnerin
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